Rezension | Graver, Elizabeth: Die Sommer der Porters | Sommer

die_sommer_der_portersGerade noch rechtzeitig Ende August fertig geworden mit der Lektüre zu ‚Die Sommer der Porters‘, einem 464 Seiten starken Roman über Familie, Generationen, den Krieg und einen wunderbaren Ort namens Ashaunt, der für Kindermädchen Bea zur zweiten Heimat wird.

Die einzelnen Kapitel sind unterschiedlich in Stil und Ausführung, behandeln nicht immer chronologisch die Ereignisse und beleuchten mal Bea, mal Helen, mal Charlie – immer aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Chronologie hat sich für mich ab der Buchmitte etwas schwierig dargestellt, da ich mit den Zeitsprüngen nicht mehr ganz klar kam, aber dennoch habe ich weitergelesen und wurde dafür am Ende noch belohnt. Der Beginn war für mich am besten – die Geschichte über Bea, deren einzige Aufgabe es ist, auf Janie aufzupassen. Auch den Abschnitt danach, als wir in Brief- und Tagebuchform von Helens Studienleben in der Schweiz erfahren, fand ich sehr gut gemacht. Und dann nicht zu vergessen die LSD-Geschichte von Charlie, die irgendwie lustig zu lesen war, vor allem die Reaktion von Mrs. Porter, der Mutter von Charlie, Jane, Dossy und Helen. Agnes, das zweite Kindermädchen der Familie Porter, versteht sich mit Bea ausgesprochen gut und dass sie beide aus Schottland stammten, ist vielleicht kein Zufall, denn die Frauen wollen im Alter wieder in ihre Heimat zurück, wo auch noch Beas Bruder Callum ‚wartet‘.

Trotz des Covers und des Titels, die beide an einen unbekümmerten Sommerroman denken lassen, liest sich das Werk streckenweise schwermütig, aber dann doch wieder mit einer Leichtigkeit und Frische, dass man sich selbst wie eine Feder fühlt. Wie das Leben halt so spielt – ein Roman, der noch lange nachwirkt und einen Platz in meinem ohnehin schon prall gefüllten Bücherregal erhält.

Buchinfos

Autorin: Elizabeth Graver
Übersetzerin: Juliane Zaubitzer
Titel: Die Sommer der Porters
Verlag: mare
erschienen: Juli 2016
ISBN: 978-3-86648-223-4
Seitenanzahl: 464 Seiten
Genre: Familienroman | Roman | Lebensgeschichte
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regional einkaufen bei bspw.: Buchhandlung Seeseiten, Hartliebs

Sommergewinnspiel Teil 5

sommergewinnspiel2016 Der letzte Teil des Sommergewinnspiels ist online! Das heißt, es gibt für diesen Sommer das letzte Mal Buchlose zu sammeln. Die Aufgabe diesmal ist ziemlich einfach, wie ich finde und soll als Ansporn dienen, nochmal teilzunehmen. Schließlich habt ihr groooße Chancen auf einen Gewinn, da leider nicht viele TeilnehmerInnen ihr Glück versucht haben.

Die Aufgabe lautet wie folgt:

Was ist euer Lieblingsbuch?

Schreibt mir Titel und Autor, worum es geht und warum ihr dieses Buch so mögt.

Antworten gerne bis zum 30.8.2016 (23:59 Uhr) unter den Artikel bzw. auch an die Gewinnspiel-Adresse: sommergewinnspiel@buchwelt.co.at

Bis zum Auslosungstag (7.9.2016) wünsche ich noch schöne Tage!!

Eure Dani

Rezension | Sinclair, Anne: Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine?

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Ich mache in meinem Urlaub gleich weiter mit einer Rezension eines Buchtitels, der wie das letzte besprochene Werk ein Fragezeichen im Titel hat (hier geht’s zur Rezension von ‚Wer mordet schon in Niederösterreich?‘). Das war übrigens keine Absicht, sondern ist ganz zufällig passiert. Vielleicht so zufällig, wie mich auch das Buch angesprochen hat, denn mit Picasso hab ich nicht viel am Hut – die weißen Tauben finde ich ganz okay – und Anne Sinclair sowie ihr Großvater Paul Rosenberg sagten mir gar nichts. Worum es geht, zeigt am besten der Bericht des Verlages selbst:

Der jüdische Galerist Paul Rosenberg zählte zu den bedeutendsten Kunsthändlern des 20. Jahrhunderts. Zu den Künstlern unterhielt der leidenschaftliche Kenner, der »seine Bilder liebt wie lebendige Wesen«, enge persönliche Beziehungen: Picasso malte Porträts seiner Familie; Braque und Leger gingen in der Galerie Rue de la Boétie 21 ein und aus – bis die Nazis die bedeutende Sammlung moderner Kunst plünderten und den Ort zum Zentrum ihrer Hetzpropaganda machten. Anne Sinclair hat das Familienarchiv geöffnet und zeichnet aus akribischer Recherche und eigenen Erinnerungen das erste authentische, berührende Porträt des bedeutenden Kunsthändlers und leidenschaftlichen Förderers der Moderne.

Ich tat mir zu Beginn etwas schwer mit dem Stil, da ich doch irgendwie gehofft hatte, einen Roman zu lesen anstelle eines Porträts. Doch nach und nach fand ich gut hinein und schaute mir ergänzend zum Text immer wieder die Bilder in der Buchmitte an. Ein wirklich beachtliches Werk, welches einen Vorzeigetitel mit Fragezeichen hat.

Buchinfos

Autorin: Anne Sinclair
Titel: Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine?
Verlag: btb
erschienen: 11.04.2016
ISBN: 978-3-442-74888-4
Seitenanzahl: 208 Seiten
Genre: Porträt 
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Rezension | Grager und Wind: Wer mordet schon in Niederösterreich?

9783839219645 Zum Glück bin ich während des Schreibens der Rezension nicht in der Nähe von Niederösterreich, sondern an der Grenze zwischen Salzburg und Kärnten, sonst bekäme ich es womöglich noch mit der Angst zu tun. Veronika Grager und Jennifer Wind schreiben nämlich im vorliegenden Buch Kurzkrimis, die mit Freizeittipps untermalt werden. Und müsste ich jetzt beispielsweise an der hohen Wand vorbei und sähe Paragleiter, würde ich hoffen, dass alle Seile halten …

So schnell das Buch zu lesen war, so schwer fällt mir eine Rezension, denn die Geschichten sind allesamt unterhaltsam und spannend, morbide, grotesk und komplett unverständlich, aber auch nachvollziehbar und polarisierend. Die Freizeittipps betreffen das niederösterreichische Industrieviertel und fügen sich gut in die Stories ein. Einige kenne ich, andere wollte ich schon immer mal anschauen und viele Plätze sind mir komplett neu. Kann getrost eine Empfehlung aussprechen, allerdings nur für jene, die mit der Paarung von Kurzgeschichten und touristischem Input was anfangen können.

Buchinfos

Autorinnen: Veronika A. Grager und Jennifer B. Wind
Titel: Wer mordet schon in Niederösterreich?
Verlag: Gmeiner
erschienen: Juli 2016
ISBN: 978-3-8392-1964-5
Seitenanzahl: 280 Seiten
Genre: Krimi | Kurzgeschichten | Reiseführer
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Rezension | Ratig, Tine und Wilhelm, Hannah: Katharina, Marie & ihre vier Männer

katharina_marie_und_ihre_vier_maennerHeute ist dieses locker leichte Buch von Tine Ratig und Hannah Wilhelm erschienen und ich durfte es schon vorab lesen und rezensieren. Das locker-leichte bezieht sich allerdings nur auf den Schreibstil, der, wie es sich für ChickLit oder Frauenliteratur gehört, wirklich einfach zu lesen ist. Der Inhalt ist ein wenig deprimierend, da Katharina als auch Marie mit ihrem Leben beziehungsweise mit ihren Männern unzufrieden sind und beide sich in andere (wohlgemerkt auch vergebene oder gar verheiratete) Männer verlieben. Die ganze Misere behandeln Katharina und Marie im Buch ausschließlich schriftlich – entweder per E-Mail, Brief oder SMS. Alles, was sich drumherum abspielt, wird niedergeschrieben und so an die Leserin gebracht. Wer ‚Gut gegen Nordwind‘ von Daniel Glattauer  (ebenfalls im Goldmann-Verlag erschienen) kennt und mag, wird allerdings bei diesem Briefroman nur wenige Parallelen ziehen können, da das Genre und das Zielpublikum sehr konträr sind.

Die Thematik des Buches war für mich sehr schwer zu ertragen, da ich genau in der Woche, als ich die Druckfahne in Händen hielt, heiratete. Und dann zu lesen, dass Frauen in den anfänglichen Dreißigern mit ihrem Leben und ihren Männern so unzufrieden sind, dass sie sich zumindest einen Liebhaber – Katharina mag Carsten, Marie zieht es zu Tom – zulegen wollen, der die restlichen 15 Prozent kompensiert, die der eigene Mann nicht bieten kann, das war schon hart. Aber es ließ mich nicht zweifeln, sondern war für mich  sogar ein wenig unverständlich. Das Doppelleben der beiden Damen funktioniert aber bis zu einem gewissen Grad ganz gut, was ich mir persönlich gar nicht vorstellen kann. Und außerdem wär’s mir zuviel Stress.

Zu den Charakteren: Marie und Michael sind ein Paar. Schon sehr lange. Michael wäre für mich nichts, denn er weiß immer, wie es in einer Ehe abzulaufen hat und hält keine Abweichungen aus. Dass Marie da langsam verzweifelt, ist irgendwie logisch. Aber ob Tom, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, da der Richtige für einen Ausbruch ist, bleibt dahingestellt.

Und auch Katharina und Simon leben ein ruhiges Leben, welches die Dame mit Carsten aufpeppen will. Simon ist im Alltagstrott angekommen und Katharina fühlt sich unverstanden. Ob das gut geht?

Wie genau das Buch ausgeht, möchte ich euch nicht verraten, aber es war ein gutes Ende. Wenn auch nicht für alle Beteiligten 😉 Eine angenehm leicht lesbare, nicht ganz so heitere Sommerlektüre.

Buchinfos


Autorinnen: Tine Ratig und Hannah Wilhelm
Titel: Katharina, Marie & ihre vier Männer
Verlag: Goldmann
erschienen: 15.8.2016
ISBN: 978-3-442-48414-0
Seitenanzahl: 256 Seiten
Genre: Briefroman | Frauenroman | ChickLit
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Gastrezension | Adler-Olsen, Jussi: Erbarmen

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Meine Mama hat zu Hause den ersten Fall aus der Sonderdezernat-Q-Reihe gefunden, ihn gelesen und sogleich für Buchwelt rezensiert. Ich denke, sie wird Jussi Adler Olsen-Spezialistin werden – hier geht’s zu ihrer Rezension von „Verheißung“. Und folgend ihre Gedanken zu „Erbarmen“.
Der erste Fall für Carl Mørck fängt gleich mit einem grausigen Prolog, der mir schon beim Lesen Gänsehaut verursacht hat, an!
Hauptkommissar Mørck kommt nach mehreren Wochen, da er bei einer Verbrecherjagd selber angeschossen wurde, ein Kollege getötet und Hardy, sein Lieblingskollege seit dem Vorfall querschnittsgelähmt ist, wieder ins Morddezernat. Marcus Jakobsen, Chef der Mordkommission, wird von vielen Seiten darauf angesprochen, dass niemand mit Carl Mørck zusammen arbeiten möchte; er sei ein echter Zyniker, kommandiert seine Leute herum, steckt seine Nase in die Fälle anderer,  antwortet nicht auf Anrufe, das war er auch schon vor der Sache! Jakobsen mochte den Mann aber, denn er ist ein fantastischer Ermittler, obwohl er als Kollege eine Katastrophe ist! Unter anderem aus diesen Gedanken heraus entsteht das Sonderdezernat Q. Carl Mørck wird in den Keller „verbannt“ und soll ab nun alte ungeklärte Fälle aufklären! Bald bekommt er auch eine Hilfskraft; Assad, ein aus Syrien stammender undurchschaubarer Mann, der sich aber sehr schnell eingearbeitet hat und für Mørck ein – fast – unverzichtbarer Mitarbeiter wird.
Es liegen viele ungeklärte Fälle auf Mørcks Schreibtisch, aber er hat sein Hauptaugenmerk auf den Fall Merete Lynggaard, einer gut aussehenden, vitalen Politikerin, gerichtet; Merete war nun schon einige Jahre verschwunden; man hat aber nie ihre Leiche gefunden! Was war geschehen? Hat ihr behinderter Bruder sie über die Reling ins Meer gestoßen? Hat sie jemand so sehr gehasst? Fragen über Fragen und noch dazu wurde von den damaligen Ermittlern nicht exakt recherchiert!
Merete wird in einem Betonbunker gefangen gehalten und das ungute Gefühl auf meiner Haut beginnt wieder ….
Ein sehr spannender Thriller!!!
Buchinfos

Autor: Jussi Adler-Olsen
Titel: Erbarmen
Verlag: dtv
erschienen: 2014 
ISBN: 978-3-423-08637-0
Seitenanzahl: 432 Seiten
Genre: Krimi | Reihe
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Rezension | Grundner-Gross, Daniela und Grundner, Reinhart: Feinspitz Graz

feinspitz_grazDer Klappentext des Buches, welches wunderbar mit „Feinspitz Graz“ tituliert ist, beginnt wie folgt:

Sinnlich südliche Lebensart und mildes Klima gehen in der Genusshauptstadt Österreichs eine Liaison ein, in der – quasi vor der Haustür – Obst, Gemüse und Wein wunderbar gedeihen. Beste Voraussetzungen für kulinarische Gipfelstürme […].

Tatsächlich mag ich Graz und auch seine Restaurants. Leider komme ich viel zu wenig oft in die steirische Landeshauptstadt, doch dieses Buch macht wirklich Lust auf eine Zugfahrt. Das Inhaltsverzeichnis wird in „Kulinarische Hochkultur“, „Steirische Bodenhaftung“, „Graz al dente“, „Auswärts essen“, „Feinkost“, „Für Süßspechte“, „Wochenmarkt und Vitamin“, „Vor allem Gemüse“, „Auslese“ und „Schön schräg“ unterteilt. In jedem der Kapitel finden sich  einige Restaurants oder Gourmet-Tipps, die bebildert und beschrieben auf mindestens einer Doppelseite abgedruckt werden. Dazu gibt’s noch Extratipps oder Speisen werden von den Autoren besonders hervorgehoben. Für mich ist Graz auch wirklich ein Geheimtipp, um essen zu gehen, denn hier findet man wirklich alles – von urig und typisch bis hin zu hip und trendy.

Eine schöne Ausgabe in einer schönen Reihe. Da kommt sicher noch mehr!

Zu den Autoren (Text © Verlag Anton Pustet):

Daniela Grundner-Gross

Die gebürtige Obersteirerin studierte Deutsche Philologie, Geschichte und Sozialkunde in Graz, war Journalistin bei der Kleinen Zeitung und 15 Jahre lang Chefredakteurin des VIA Airportjournals. Ihre Erfahrung setzt die freie Autorin nun als Consultant für Kundenmagazine und Marketingkonzepte ein.
Sie ist anlässlich eines Studienaufenthalts in Paris in die Finessen der französischen Küche und Lebensart eingeweiht worden und kocht und isst seitdem mit Passion.
Spezialität: Quittengelee mit Riesling und Pistazien.
Leibspeisen: Quiches, Klachlsuppe und Riesenbuchteln von der Oma aus dem Tischherd.

Reinhart Grundner

Er ist Grazer, lebte und lehrte (Physik, Mathematik) viele Jahre im Ausseerland und gestaltete mehr als 5000 aktuelle Beiträge und über 50 Dokumentationen für den ORF. Seit 16 Jahren geht er bei den besten Köchen der Steiermark „in die Lehre“: Mehr als 800 Folgen von Grundners Kulinarium sind in dieser Zeit im Rahmen der Bundesländersendung Steiermark heute entstanden – Reinhart Grundner fungiert als Seismograph der steirischen Gastronomieszene und stellt einmal pro Woche ein Wirtshaus vor. Kocht besonders gern Kohlwickler und andere Spielarten der Hausmannskost.

Buchinfos

Autoren: Daniela Grundner-Gross und Reinhart Grundner
Titel: Feinspitz Graz
Verlag: Anton pustet
erschienen: im Juni 2016
ISBN: 978-3-7025-0835-7
Seitenanzahl: 192 (mit farbigen Bildern)
Genre: Reiseführer | Gourmetführer 
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Sommergewinnspiel Teil 4

sommergewinnspiel2016
Es geht dem Ende zu! Zumindest mit dem Sommergewinnspiel auf Buchwelt.co.at. Meine Fragen an euch diesmal:

Was erwartet ihr euch von Buchwelt.co.at im Jahr 2017? Betreibt ihr selbst einen Blog? Was haltet ihr von Literaturtreffs? 

Schreibt mir bis 20.08.2016 (23:59 Uhr) mindestens drei Sätze als Kommentar und schon bekommt ihr wieder ein Buchlos für die große Verlosung am 7.9.2016!

Viel Spaß und alles Liebe

Dani

 

Rezension | Irving, John: Straße der Wunder

strasse-der-wunderWer hätte das gedacht, dass ich in so kurzer Zeit einen Roman mit knapp 800 Seiten verschlinge, obwohl zu Hause zwei kleine Buben ihr Unwesen treiben. Wäre wahrscheinlich nicht so einfach gewesen, hieße der Autor nicht John Irving. Ich muss zugeben, dass ich von Mal zu Mal ein größerer Fan dieses Schriftstellers werde und bin froh, dass ich schon mehrere Werke gelesen habe, denn sonst hätte ich die Querverweise zu ‚Gottes Werk und Teufels Beitrag‘, ‚Bis ich dich finde‘ oder ‚In einer Person‘ (hier geht’s zur Rezension) nicht erkannt und bemerkt. Für einige mag es eine Wiederholung von schon mehrmals dagewesenen Topoi sein, für andere ein wunderbarer Perspektivenwechsel, der das Spektrum von Irvings Räumen und Zeiten anders beleuchtet.

Die Müllkippenkinder Juan Diego und Lupe bekommen durch Bruder Pepe und Edward Bonshaw eine Chance in einem Zirkus. Weg von der Müllhalde, weg von el jefe, wie die Kinder ihren Leihpapa nennen. Die Mutter der beiden, Esperanza, stirbt, als sie die Gottesmutter mit tiefem Dekolleté putzt, an Todesangst. Und Edward und die transsexuelle Prostituierte Flor werden Ersatzeltern für den zwischenzeitlich geschwisterlosen Juan Diego. Erzählt wird in Rückblenden, die aus Träumen des fast 60-jährigen Schriftstellers und Autodidakten Juan Diego konstruiert werden, während er auf einer Reise Dorothy und Miriam kennen lernt, die ihn bei seiner Viagra-Betablocker-Einnahme ganz schön durcheinander bringen. Auch wenn im Buch selbst öfter wiederholt wird: Das stört nicht, denn jedesmal wird ein wenig anders erzählt, Details kommen hinzu und Hintergründe werden aufgeklärt. Die Perspektiven sind es, die das Buch so besonders machen, auch wenn das Ende vorhersehbar ist. Ein gelungener Roman, der auf keiner Seite langweilig wird, obwohl so viele davon vorhanden sind.

Buchinfos

Autor: John Irving
Titel: Straße der Wunder
Verlag: Diogenes
erschienen: 01.04.2016
ISBN: 978-3-257-06966-2
Seitenanzahl: 784 
Genre: Roman
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Rezension | Bürkl, Anni: Häusermord

haeusermordIch hatte bereits einmal das Vergnügen, einen Krimi von Anni Bürkl zu lesen und zu rezensieren (hier geht’s zur Rezension zu „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“). Jetzt kann ich endlich über einen weiteren berichten, dessen Protagonist Kommissar Nowak ist. Er ermittelt im 2. Wiener Gemeindebezirk rund ums Karmeliterviertel. Kenne mich dort recht gut aus, weil ich selbst ums Eck beim Augarten gewohnt habe.

Die Sprache des Krimis ist, abgesehen von ein paar textlichen Ungereimtheiten, die vermutlich am Lektorat liegen, sehr angenehm. Die Sätze lesen sich leicht und flüssig, die Dialoge sind schlüssig und die Wiener Ausdrucksweise schimmert immer wieder mal durch, vor allem auch bei den Verben, die Anni Bürkl öfter abkürzt, besonders in der Ich-Form (statt ‚ich schaue‘ nur ‚ich schau‘). Das mag ich sehr gerne, denn für mich gehört die sprachliche Varietät zu einem guten Regionalkrimi dazu. Die ganze Geschichte rund um den abgetrennten Arm, der von einer älteren Dame gefunden und Wolf Nowak präsentiert wird, spielt sich innerhalb von drei Wochen und auf 250 Seiten ab. Nowak ist sensibel, gewissenhaft und leidet unter seiner alkoholkranken Mutter. Neben ’seinen‘ Kapiteln bekommt auch Antonia ihren Platz (werden sie und Nowak zusammenfinden? ;-)) und die Italienerin Sabrina mit ihrem unverkennbaren ‚e‘ tritt des öfteren auf.

Geschrieben ist der Roman in der Ich-Perspektive und im Präsens. Die Dialoge vermitteln Nähe und lassen die LeserInnen direkt in das Geschehen eintauchen. Stellenweise verlor das Buch etwas an Tempo und somit auch an Spannung, da zum Beispiel wiederholt wurde, dass ein abgetrennter Arm gefunden wurde, was meines Erachtens auch getrost weggelassen werden könnte.  Nowak ist aber ein Guter, wie Anni Bürkl auch selbst twittert:

Buchinfos

Autorin: Anni Bürkl
Titel: Häusermord
Verlag: Edition Texte und Tee
erschienen: Juni 2016
ASIN: B01FUPN23G
Format: derzeit leider nur Kindle-tauglich, ich hatte ein ePub-Rezensionsexemplar
Genre: Krimi | Regionalkrimi | Reihe
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