Rezension | Moss, Sarah: Schlaflos

Moss_Schlaflos_Cover.inddDer Titel ist Programm

Sarah Moss, eine schottische Schriftstellerin mit Island-Ambitionen, schreibt mit Schlaflos einen Roman, der sich an junge Mütter richtet. Zumindest hat es den Anschein.
Die selbstbewusste Frau Doktor Anna Bennet lebt mit Ehemann Giles Cassingham und den beiden gemeinsamen Söhnen Raph(ael) und (Ti)Moth(y) auf einer fiktiven Insel namens Colsay. Die Kinder sind sechs und eineinhalb, die Mutter oft verzweifelt, der Vater Ornithololge, der das Verschwinden der Papageientaucher Tag für Tag analysiert. Daneben wird noch ein Haus vermietet und den Urlaubsgästen psychologische Hilfe angeboten.

Baumpflanzung

Erst als isländische Apfelbäume in den hauseigenen Garten gesetzt werden, bekommt der Roman eine Wendung. Die Gebeine eines Babys werden gefunden und die Polizei tritt Anna gegenüber sehr vorurteilbehaftet auf. Wobei Frau Doktor sich ja wirklich nicht allzusehr um ihre Kinder kümmert – diese werden mitunter auch alleine im Haus gelassen, damit sie in Ruhe an ihrem Buchprojekt, für welches sie ein Stipendium bekommt, arbeiten kann.

Schlaflos besteht nicht nur aus einem Text, sondern ist aus mehreren Komponenten zusammengesetzt. Die fortlaufende Geschichte dreht sich um Anna und ihre Familie. Eingeleitet werden diese Kapitel immer mit Zitaten aus wissenschaftlichen Büchern, vor allem aus psychoanalytischen Texten von Anna Freud (Tochter von Sigmund Freud). Aus jedem dieser Auszüge bedient sich Moss dann einiger Worte, die sie als Überschrift verwendet.

Der zweite große Erzählstrang besteht aus Briefen einer gewissen May, die Ende des
19. Jahrhunderts auf Colsay als Krankenschwester gelebt hat. Sie schreibt an ihre Schwester, ihren Vater und ihren Freund, dass die Umstände auf der Insel nicht gerade toll sind und sie eigentlich wieder weg möchte. Ursprünglich sollte sie die Säuglingssterblichkeitsrate durch Aufklärung und Hilfestellung vermindern.

Aufmachung und Eigene Meinung

Das Buch kommt im Hardcover ins Geschäft. Der Umschlag ist, wie man am Titelbild erkennen kann, sehr dunkel gehalten. Dafür ist der Karton rosa und die Einlageblätter sind dunkelviolett. Ein durchaus ansprechendes Cover. Die Seiten sind dünn und greifen sich gut an, ein Lesebändchen sorgt dafür, dass man den Faden nicht verliert.

Besonders gelungen finde ich auch die Kapiteleinteilung, denn diese ist so gewählt, dass das Lesen durchaus mal unterbrochen werden kann – vielleicht absichtlich so gestaltet, falls es Mütter in die Hände bekommen, die sich beim nächtlichen Geschrei des Nachwuchses wieder von der Lektüre losreißen müssen?

Ein großartiger Roman über Nachtwachen und Kindererziehung, aber auch mit kriminalistischen Details gespickt. So spannend und fesselnd, dass man es dem Titel gleichtut.

Buchdetails

Autorin: Sarah Moss
Übersetzerin: Nicole Seifert
Buchtitel: Schlaflos
Verlag: mareverlag
Erscheinungsjahr: 2013, Hamburg
Seitenanzahl: 496
ISBN: 978-3-86648-177-0
Preis: € 22,00 | 31,50 SFR

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