Rezension | Scharner, Helmut: Mostviertler

mostviertlerIch durfte wieder mal einen Krimi aus dem Gmeiner Verlag lesen, der auf LovelyBooks als Leserundenexemplar an 20 TeilnehmerInnen verlost wurde. Diesmal war ich überhaupt sehr neugierig auf das Buch, da es sich erstens um einen Krimi handelt (und ich mache auch bei einer Krimi vs. Thriller-Challenge mit) und zweitens in Waidhofen/Ybbs beziehungsweise in der Umgebung davon spielt. Ich selbst war auch einige Male in dieser niederösterreichischen Stadt und bin im Mostviertel jahrelang in die Schule gegangen. Der Titel dreht sich aber auch um das Thema des Buches und so ist ‚Mostviertler‘ sicher auch eine kleine Anspielung auf die ‚Waldviertler‘-Schuhe, denn Scharners Krimi spielt im Wirtschaftsmilieu, genauer gesagt in der Sportschuhproduktion. 

Der Klappentext verrät leider schon etwas zu viel, nämlich, dass der Unternehmersohn Jakob Schuster eines Morgens erstochen aufgefunden wird. Tatsächlich erfahren wir das als LeserIn erst nach der Buchmitte, im Hinterkopf ist es allerdings schon von Beginn an verankert. Schlimm ist es nicht, vor allem deshalb nicht, weil vorher kein Mord vorkommt und man vielleicht sonst ewig warten würde, bis endlich was krimihaftes passiert. Neben dem aktuellen Handlungsstrang, der überwiegend 2013 spielt, gibt es auch noch einen zweiten Hauptnebenstrang (in kursiv gehalten), der sich mit der Vorgeschichte von Jakobs Freund und Firmenkollegen Hans Mayer beschäftigt. Erst gegen Ende des Buches finden die zwei Erzählebenen zueinander und bringt endgültig Licht ins Dunkle.

Die Figuren, angefangen von Jakob Schuster über Juliana Haidinger und den chinesischen Schuhfabrikanten Chan, sind allesamt gut charakterisiert und dargestellt. Ein einziges Mal war ich aber angewidert vom Buch, als nämlich eine ziemlich brutale Sexszene dargestellt wurde, die meines Erachtens nicht zum weiteren Geschehen der Geschichte beiträgt und in ihrer Detailreiche stark abgekürzt werden könnte. Aber gut, der Autor und auch die Lektoren werden sich dabei schon was gedacht haben – meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen, weswegen ich nicht die volle Punkteanzahl geben kann.

Der Kommissar Brandner, der gemeinsam mit dem ortsansässigen Polizisten Sepp Reitbauer in der Mordsache Schuster ermittelt, kommt nur zufällig zum Zug, denn eigentlich hat er Urlaub. Umso nerviger ist es für ihn, dass er am Tatort eine ziemlich große Menge an Verdächtigen vorfindet und auch die Nacht wegen unpassierbarer Forststraßen noch auf der Schusteralm verbringen muss.

Vom Erzählstil her finde ich das Buch gelungen, denn obwohl die erste Hälfte eher wirtschaftlich aufgebaut ist, fliegen die Seiten nur so dahin und eine Spannung entwickelt sich. Ab dem Mord kann man mit Brandner gemeinsam ermitteln, was ich an einem Krimi sehr ansprechend finde und zu schätzen weiß, wenn ein Autor die LeserInnen miteinbezieht. Die wenigen Dialektpassagen, die im Buch vorkommen, sind gekonnt ins Standarddeutsche übersetzt und durch die Aussage, dass die Kinder ja jetzt ins Gymnasium kämen, müsse man schon ‚Hochdeutsch‘ sprechen, wird die Mundart sowieso ausgeschlossen. Also ist dieser Regionalkrimi sowohl für die österreichische, als auch deutsche und schweizerische Buchwelt geeignet.

Buchinfos
Autor: Helmut Scharner
Titel: Mostviertler
Verlag: Gmeiner Verlag
erschienen: 03.02.2016
Seitenanzahl: 406 Seiten
ISBN: 978-3-8392-1850-1
Genre: Kriminalroman | Regionalkrimi
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