Rezension | Thiel, Georg: Jud

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Beim Titel des von Georg Thiel geschriebenen Werkes kommt man gar nicht um den 2. Weltkrieg herum. „Jud“ behandelt aber nicht vordergründig die Zeit von 1938/39 – 1945, sondern befasst sich vielmehr mit der Zeit danach, ganz konkret mit der Aufarbeitung eines sehr persönlichen Moments in Titus Strings‘ Leben. Der Fotograf, der seinerseits eher nicht so erfolgreich ist, darf im Jahr 1958 von Manchester aus über einen beruflichen Umweg nach Wien reisen, um dort seine Vergangenheit aufzuarbeiten.

Titus Strings, der Protagonist und gleichzeitig (phasenweise) Namenspatron des Romans, haust in einer kleinen Wohnung mit seiner Freundin, die sich von ihm trennen möchte. Er ist ein eher wenig erfolgreicher Fotograf und sieht einen Lichtblick aus der alkohollastigen Misere, als er gemeinsam mit einem Redakteur Fotos von der Brüsseler Weltausstellung machen darf. Rupert, der Feuilletonist, ist allerdings mehr als geschwätzig, schafft es dann aber doch, seine Aufmerksamkeit auf Titus zu lenken, den seine Vergangenheit so sehr quält, dass er im österreichischen Pavillon in Brüssel zusammenbricht. Sofort wird Titus in den Zug nach Wien gesetzt, um dort nach etwas Brauchbarem zu suchen. Titus findet tatsächlich ein Foto eines jungen Mannes, der von einem Nazi-Schergen gezwungen wird, „Jud“ auf die Hausmauer zu schreiben. Es handelt sich dabei um ihn selbst und nun will er den Täter suchen – und findet ihn dann schlussendlich auch.

„Jud“ ist ein hervorragend recherchiertes, von britischem Humor und österreichischem Charme strotzendem Werk, das sogar mich, da ich eher weniger (Nach)Kriegsliteratur lese, total in seinen Bann gezogen hat. Es ist wärmstens zu empfehlen!

Buchinfos

Autor: Georg Thiel
Titel: Jud
Verlag: Braumüller
erschienen: 2018
ISBN: 978-3-99200-199-6
Seitenanzahl: 224 Seiten
Genre: Roman | Literatur

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

 

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