Rezension | Gerður Kristný: Die grüne Bluse meiner Schwester

Die grüne Bluse meiner Schwester - Gerður Kristný

© List Verlag | Buchcover

Der Roman, welcher in Island und die meiste Zeit davon in der Hauptstadt Reykjavík spielt,  ist im Original schon etwas älter. Bátur með segli og allt, so der isländische Titel, erschien bereits 2004, bekam den Halldór Laxness-Preis dafür und wurde nun von Tina Flecken ins Deutsche übersetzt. 304 Seiten stark ist die Geschichte rund um Frida, deren Vater verstarb und auf dessen Begräbnis eine Geburtstagstorte für den 6-jährigen Aron aufgetischt wird. Solche und ähnliche mehr oder minder lustige Szenen finden sich in dem auf 36 Kapiteln aufgeteilten Werk.

Frida ist Mitte zwanzig, arbeitet in der Parfümerie ihrer Bekannten Áslaug und bekommt von deren Schwester Arna ein dubioses Jobangebot, welches sie annimmt. Der zweite Strang der Geschichte dreht sich um Fridas Familie. Mit Mutter und Schwester Gubba versteht sie sich gar nicht und ihr Vater ist erst vor kurzem verstorben. Den einzigen Verbündeten in ihrer näheren Umgebung findet sie in Gubbas Sohn Gunnar Birnir. Ab und an trifft sich Frida mit ihrer ehemals besten Freundin Kristín, doch das Verhältnis scheint auch nicht mehr das beste zu sein.

Der Roman plätschert dahin und sollte er einen Anspruch daran stellen, lustig zu sein, so hat er das nicht geschafft. Die Protagonistin ist relativ sympathisch aber wenig zugänglich, deshalb erschwert es die Entwicklung einer Empathie oder eines Mitgefühls für Frida.
Syntaktisch ist das Buch klasse, denn man liest sich schnell durch und stolpert kaum über Monstersätze à la Thomas Bernhard (mit dessen Werke ich aber hier auch keinen Vergleich anstellen will). Also wie gemacht für ein, zwei klirrend kalte Winterabende.

Die ersten Seiten müssen auf jeden Fall übertaucht werden, bis es dann mal etwas interessanter wird beziehungsweise bis man in den Roman und den Schreibstil (der Übersetzerin) eintauchen kann. Wer diese Hürde gemeistert hat, dem wird der Roman Die grüne Bluse meiner Schwester gut gefallen, alle anderen sollten nach etwa 50 Seiten den Hut drauf werfen, denn besser, aber auch schlechter, wird’s nicht mehr. Keine klare Empfehlung von meiner Seite, außer man kennt sich in Reykjavík ein bisschen aus und versteht sich literarisch auf isländische Romankunst.

Vielen Dank an Vorablesen.de und den List-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Buchdetails

Autorin: Gerður Kristný
Buchtitel: Die grüne Bluse meiner Schwester
Verlag: List-Verlag
Erscheinungsjahr: 2013, Berlin
Seitenanzahl: 304
ISBN: 978-3-548-61174-7
Preis:€ 9,99 [D] € 10,30 [A], sFr 13,90

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