Rezension | Jónsdóttir, Sólveig: Ganze Tage im Café

ganze tage im café

© Insel Verlag

Auf Lovelybooks mache ich bei der Jänner-Challenge mit und dafür durfte ich dieses Buch lesen und rezensieren. Vielen Dank schon mal an den Insel Verlag für die Zurverfügungstellung des Exemplars!

Normalerweise ist für mich Frauenliteratur eher ein rotes Tuch, doch da der Roman aus Island kommt, kam ich nicht drum herum, ihn zu lesen. Und im Endeffekt stellte sich heraus, dass es nicht nur schmachtende Teenie-Mädls sind, die nur ans Shoppen denken, sondern durchwegs Damen mit realen und ernst zunehmenden Problemen, die als Protagonistinnen dienen. Im Isländischen ist es bereits im Jahr 2012 erschienen und war wochenlang auf der dortigen Bestsellerliste. Ob es das im deutschsprachigen Bereich auch schafft, ist fraglich, denn die Übersetzung aus dem Isländischen, die von Sabine Leskopf sehr gut getroffen wurde, hat auch ihre Eigenheiten. Wenn man mit der Anrede „Mein Liebes“ oder „Meine Mía“ seine Probleme hat, liegt das eher nicht an der Person, die das sagt, sondern an der Sprache und bedeutet eigentlich nicht mehr als „Du, Mía…“. Einige Probleme könnten beim Lesen auftauchen, wenn man des Englischen nicht mächtig ist, denn die Isländerin Silja trifft auf einen Briten, der nicht so gut Isländisch spricht und deshalb oft ins Englische ausweichen muss. Den Lesefluss wird es mit Sicherheit stören, wenn man die Sprache nicht kann, aber ich denke, dass ein globales Verständnis erricht wird.

Zum Inhalt

Vier Frauen, die mehr oder weniger das selbe Problem haben: Sie wurden von jemandem, den sie mehr oder weniger geliebt haben, verlassen. Dabei werden den Protagonistinnen im Buch verschiedene Kapitel gewidmet, deren Länge oftmals unterschiedlich ist.

Hervör arbeitet im Café ‚Viertel‘, hat ein Verhältnis mit ihrem um fast zwanzig Jahre älteren Professor und möchte eigentlich mal ein wenig ins Ausland, um Urlaub zu machen.

Mía wird von ihrem Freund Daníel gegen seine Kollegin in der Anwaltskanzlei ausgetauscht.

Silja, Ärztin von Beruf, kommt eines morgens von der Arbeit nach Hause und erwischt den One Night Stand ihres Ehemannes Baldur.

Karen, die mit Baldur die Nacht verbracht hatte, muss den Tod ihres Bruders, für den sie sich die Schuld gibt, erst mal verarbeiten.

Die Protagonistinnen waren mir anfangs alle sehr sympathisch, doch irgendwann drehte sich das Blatt und Mía konnte ich gar nicht mehr verstehen. Auch Siljas Verhalten und Einstellungen waren für mich nicht so nachvollziehbar, obwohl ich während des ersten Silja-Abschnittes ganz gut mit ihr mitkam. Dafür war es bei Karen genau umgekehrt. Anfangs wirkte sie sehr kühl und unnahbar, doch mit der Zeit wurde ihr von der Autorin Leben eingehaucht. Und über Hervör brauche ich gar nicht viel sagen, denn sie war mir von Anfang an sympathisch und auch am authentischsten.

Das Ende, welches in nur 17 Seiten die vier Protagonistinnen nochmal beleuchtet, war nicht sonderlich überraschend und leider auch etwas zu rasch herbeigeführt. Da wäre noch einiges an Material drin gewesen.

Fazit

Für ein Buch, welches man in die Sparte Frauenliteratur einordnen kann, ist es überraschenderweise gut gelungen, denn in „Ganze Tage im Café“ finden sich keine oberflächlichen Shoppingtouren von minderjährigen Möchtegernqueens, sondern tiefgehende Probleme von ganz gewöhnlichen jungen Frauen. Sei es eine Depression oder die Angst davor, keine gute Ehe zu führen – Sólveig Jónsdóttir beleuchtet diese Dinge mit einem beachtenswerten Schreibstil (okay, ich habe nur die deutsche Übersetzung gelesen, aber die war gut!). Es ist flüssig und stimmig geschrieben, außerdem liest sich das Buch sehr abwechslungsreich, was womöglich auch daran liegt, dass die einzelnen Kapitel immer wieder von anderen Personen handeln. Gut gelungen ist auch die Verbindung zwischen den vier Frauen, die sich nicht alle, wie der Klappentext vermuten lässt, im Café treffen, um zu plauschen, sondern vielmehr durch das Schicksal zusammenfinden.

Eine Empfehlung spreche ich aus für diejenigen, die mal weg von den großen Meistern hin zu etwas leichterem wollen, aber dennoch nicht in einem Frauenliteratur-Schinken schmachtend dahinvegetieren möchten, sondern eine angenehme Unterhaltung für einige Stunden in einem Buch suchen.

Eine Leseprobe findet sich auf der Internetseite des Verlages (hier klicken, um zum PDF zu gelangen)!

Buchdetails

Autorin: Sólveig Jónsdóttir
Buchtitel: Ganze Tage im Café
Verlag: Insel Verlag
erschienen: 20.01.2014
Seitenanzahl: 415
ISBN: 978-3-458-35981-4
Preis:D: 9,99 €|A: 10,30 €|CH: 14,90 sFr

4 Gedanken zu „Rezension | Jónsdóttir, Sólveig: Ganze Tage im Café

  1. Fühle mich etwas dumm gerade, da ich schmachtend Googlen musste 😀
    Naja aber ich denke das ich mir das Buch schon zulegen werde, da ich solche Bücher sehr sehr gern lese 🙂
    Super Tip,Danke

    Sabine

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