Rezension | Valeur, Erik: Das siebte Kind

das siebte kindIch hatte das Glück und bekam bei der Blogger-Aktion des blanvalet-Verlages die Möglichkeit, dieses Buch zu lesen und zu rezensieren. Schon alleine der Klappentext machte mich neugierig und als ich erfuhr, dass es ganze 800 Seiten hat, war ich noch gespannter, wie sich die Geschichte entwickelt.

Hier der Klappentext:

Sieben Waisenkinder aus Kongslund. Was ihnen angetan wurde, ist unverzeihlich. Und als würde ein Fluch auf ihnen liegen, haben sie alle schwere Schuld auf sich geladen. Marie, eines jener sieben Waisenkinder, hat den Werdegang ihrer einstigen Heimfreunde über Jahre und Jahrzehnte verfolgt. Als Erwachsene ruft sie alle zusammen. Aber will sie wirklich, dass ihnen allen endlich Gerechtigkeit widerfährt? Oder trachtet sie vielmehr einzig nach Abrechnung?

Inhalt und Aufbau

In 40 Kapiteln wird das Leben von Marie, teilweise aus ihrer eigenen Perspektive, geschildert. Dabei hat es das damals unerwünschte Kind nicht leicht, denn sie musste im Kinderheim Kongslund bleiben, weil sie niemand adoptieren wollte. Während der ganzen Zeit ist sie ständig damit beschäftigt, ihre Leidensgenossinnen aus der Zeit der Elefantenstube zu finden und sie zu beobachten. Erst im Erwachsenenalter findet sie einen Weg, dass sie sich alle wiedersehen, aber leider bleibt der Eklat nicht aus.

Nach jedem Kapitelnamen gibt es kursive Passagen aus den Tagebüchern Maries, und dann beginnt die eigentliche Erzählung. Spannend ist der Roman von Anfang bis Ende, allerdings schleichen sich Szenen ein, die beim Lesen übersprungen werden können und mit der ursprünglichen Geschichte in keinem engen Zusammenhang stehen. Aber gerade diese Tatsache macht das Werk aus, denn der Leser wird auf eine falsche Fährte geführt und muss wohl oder übel über gewisse Fakten nachdenken – sind sie nun für die Auflösung des ‚Falles‘ notwendig oder nicht? Kann das tatsächlich passiert sein oder ist die Tragödie nur der kindlichen Phantasie entsprungen?

Der Debütroman von Erik Valeur hat es in sich – nicht nur die sprachlich überzeugende Art, sondern auch der Fortgang der Geschichte fesseln und lassen einen den Roman nicht mehr aus den Händen legen. Der Nachteil ist das Gewicht, denn wer möchte schon einen 800-Seiten-Schmöker mit sich in der Handtasche rumschleppen? Fängt man allerdings mit der Lektüre an, kommt man kaum drum rum 😉

Fazit

Politischer Psychothriller mit turbulentem und unerwartetem Ende, der mitfühlend und verständnisvoll von seinen (manchmal auch sehr negativ handelnden) Personen erzählt.

Buchdetails
Autor: Erik Valeur
Titel: Das siebte Kind (Det syvende barn)
Verlag: blanvalet
erschienen: 2014
Seitenanzahl: 800
ISBN: 978-3-7645-0504-2
direkt zur Buchseite: bitte hier klicken

Rezension | Canal, Anne von: Der Grund

der grundVom ersten Moment an, als ich dieses Cover gesehen habe, wusste ich, dass ich das Werk von Anne von Canal lesen muss. Das liegt einerseits an den wunderbaren Farben und der Titelkomposition, andererseits am Flügel mit dem typischen Klavierschemel, denn ich habe auch als Jugendliche gespielt.

Dass es dann tatsächlich um einen angehenden Klaviervirtuosen geht, überraschte mich nicht. Dafür die Aufmachung des Romans, der auf zwei Ebenen seinen Fortlauf findet. Einerseits gibt es Logbucheinträge eines Kreuzfahrtsklavierspielers, andererseits die Familiengeschichte oder besser gesagt -tragödie von Laurits. Die Erzählperspektive im letztgenannten Teil (Schiff und Geschichte wechseln immer wieder ab) finde ich grandios. Ein außenstehender Erzähler berichtet von der Geschichte rund um die Familie, aber mit einem besonderen Fokus auf Laurits, sodass man sich an manchen Stellen nicht sicher ist, ob nicht auch diese Dinge von Laurits so erlebt wurden. Mit diesen Dingen meine ich seine Kinderheit, die Jugend, seine Ehe mit Silja, deren gemeinsames Kind Liis und die nie ganz erloschene Flamme, professioneller Klavierspieler zu werden.

Generell finde ich die Sprache und den Fortgang der Geschichte sehr schön und stimmig, an vielen Stellen traurig und deprimierend, an manchen aufreibend und erschütternd. Ein wunderbares Debüt also. Was will man mehr?

Vielen Dank an dieser Stelle an die mare-Verlagsvertretung in Wien, Buchkontor, für die Zurverfügungstellung dieses Rezensionsexemplars!

Buchdetails
Autorin: Anne von Canal
Buchtitel: Der Grund
Verlag: mare Verlag
erschienen: 2014
Seitenanzahl: 272
ISBN: 978-3-86648-196-1
zu kaufen zum Beispiel hier: Buchkontor

[02.15] Das fängt ja schon gut an

Das Thema ‚Neujahrsvorsätze‘ ist eines der vielen Ideen, die meistens nicht umsetzbar sind. Immerhin schaffe ich es hiermit grade noch, eine wöchentliche ‚Glosse‘ zu schreiben, oder was immer das auch ist.

Compassion

Überschattet wurde diese Woche mit den Anschlägen auf das französische Satiremagazin ‚Charlie Hebdo‘ und die darauf folgenden Geiselnahmen und Tötungen. Dass dieser Anschlag auch einer gegen die Meinungsfreiheit ist, bleibt außer Frage. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht mehr darüber schreiben, denn es wurde schon so vieles gesagt. Wer nachlesen möchte, kann das hier (Link zu Wikipedia) tun – es sind einige Zeitungsartikel dazu aufgelistet.

Aber nun zu meiner wöchentlichen Statistik:

Gelesene Bücher: 1 – Anne von Canal: Der Grund
Rezensierte Bücher: 0
Neu hinzugekommene Bücher: 0
SuB: unzählbar (vielleicht schaff ich es bis nächste Woche, eine Zahl anzugeben!)

Rezension | Grünberg, Arnon: Blauer Montag

blauer montagWo soll ich am besten beginnen, dieses Buch vorzustellen? Vielleicht ganz am Anfang. Bereits 1994, also 10 Jahre vor der neuerlichen Auflage bei Diogenes, erschien ‚Blauer Montag‘ mit dem niederländischen Titel ‚Blauwe maandagen‘, die deutsche Erstausgabe gab’s dann 1997. Die Kritiken in den diversen Foren und Online-Buchshops klaffen weit auseinander. Von supertoll über mittelmäßig bis hin zu schlecht findet man alle möglichen und teilweise sogar gut begründete Meinungen, sodass man sich echt nicht sicher sein kann, ob das Debüt von Arnon Grünberg tatsächlich gelesen werden soll. Ich hab’s gelesen und fand es streckenweise zu derb, dafür an anderen Stellen extrem witzig, da Grünberg einen echt trockenen, ironischen, manchmal sarkastischen Humor in seinen Roman einbaut.  Etwas verwirrt hat mich die Tatsache, dass er über sich selbst schreibt – ich weiß bis jetzt nicht, wie viele Dinge davon wahr sind, aber eigentlich interessiert es mich auch nicht so sehr, denn es ist ein Roman und der Protagonist heißt nun mal so wie der Autor. Alles gut.

Der Inhalt

Gegliedert in fünf Kapitel, teilweise mit Unterkapiteln versehen, erstreckt sich das Werk über 368 Seiten und liest sich extrem schnell, da witzig und flüssig geschrieben. Eine echt lange Strecke handelt von Rosie, der ersten großen Liebe des Protagonisten. Ebenso viel, wenn nicht mehr, wird von den Mädchen berichtet, die Arnon (also die Figur) besucht hat, um seinem langweiligen Leben einen Sinn zu verpassen beziehungsweise mal nicht in einer Kneipe zu sitzen, um dort zu trinken.

Ein weiterer Erzählstrang handelt von Grünbergs Eltern. Sein Vater starb früh und seine Mutter macht sich ständig sorgen um den missratenen Sohn, der sogar von der Schule fliegt, weil er nur Unfug im Kopf hat. Dabei wird viel auf die jüdischen Feiertage eingegangen, die für Arnon aber nicht so wichtig sind.

Und am Ende möchte der eigentliche Verleger und Ex-Adressen-Büro-Mitarbeiter dann selbst unter die Call Boys gehen, damit er endlich mal zu Geld kommt. Ob er das tatsächlich macht, steht in den Sternen, denn das Buch endet, bevor er einen Auftrag bekommt.

Alles in allem ein empfehlenswertes Buch, wenn auch Abschnitte dabei waren, die mich nicht vollends gebannt haben.

Buchdetails
Autor: Arnon Grünberg
Titel: Blauer Montag
Verlag: Diogenes
erschienen: April 2014
Seitenanzahl: 368
ISBN: 978-3-257-23128-1
bestellbar zum Beispiel hier: Buchkontor

[01.15] Statistik und so weiter

Und, wie viele von euch haben in den letzten vier Tagen ihre Neujahrsvorsätze schon wieder gebrochen? Als ich am 1.1. gemeinsam mit meiner Familie unsere Gasse entlangspazierte, kam ich bei einem Zigarettenautomaten vorbei. Es war ca. 17.00 Uhr und zwei Damen, die nervös hinter einem sich Zigaretten runterdrückenden Mann Münzen zusammensuchten, konnte man ansehen, dass sie jetzt dringend etwas zum Rauchen brauchten. Leider habe ich sie nicht gefragt, ob sie vielleicht am 31.12. um 23:59 Uhr noch fest der Meinung waren: „Dies war meine letzte Zigarette“, wenn dem so war, dann tut es mir für die beiden leid. Ich kenne diese Situation nur zu gut, doch vor 4 Jahren (also noch nicht ganz, am 28.1.2015 ist’s so weit) beendete ich meine Raucherinnenkarriere, und zwar mit einem Buch. Okay, kein Roman, aber dafür ein ziemlich nerviges Werk von Allan Carr mit dem Titel ‚Endlich Nichtraucher‚ – gibt’s ja nun in allen möglichen Auflagen und für verschiedenste Bedürfnisse. Mir hat’s beim ersten Mal auch noch nicht geholfen, aber dafür beim zweiten Mal lesen und mich grün und blau ärgern, dass da schon wieder der selbe Satz steht, der vor zwanzig Seiten das fünfte Mal vorkam. Pah, aber ich hab’s geschafft. Ich hab’s zu Ende gelesen. Ich hab zu Rauchen aufgehört!

Und nun geht’s zur ersten Statistik 2015:

Gelesene Bücher: 1
• Arnon Grünberg: Blauer Montag
Rezensierte Bücher: 1
Begonnene Bücher: 3
Neu angeschaffte Bücher: 0