Kolumne | Das Geschäft mit den Kindern – Teil 1: Schreibabys

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© Daniela Steinbach | Foto aus Privatbesitz

Auf die Gefahr hinauf, dass ich jetzt von mehreren Seiten böse Blicke (hoffentlich nicht mehr) ernte, muss ich mal meinem Unmut über das titelgebende Sujet zum Ausdruck bringen. Als Mama zweier Burschen kann ich nun ein wenig in meinem Erfahrungskisterl kramen und ziehe ab und zu Anekdoten raus, die echt lustig sind, zum Beispiel, wie viele Sorgen wir uns machten, als Sohn No. 1 einfach nicht aufhörte zu schreien – und das drei Monate lang. Okay, so schlimm war’s auch nicht, denn er war meistens ruhig, wenn andere Personen im Raum waren, die nach einer halben Stunde wieder gingen. „Was hast du denn? Der ist ja eh so brav!“, bekam ich nicht nur einmal zu hören. Ich ging zur Cranio-Sacral-Behandlung, zur privaten Kinderärztin, ließ mich von einem Kassenkinderarzt niedermachen, weil er glaubte, der Mr. Perfect in Sachen Kids zu sein („Ich habe vier Kinder, mir brauchen Sie nichts erzählen“ – aber Hauptsache in der Praxis ordinieren, anstatt zu Hause aufs Baby aufzupassen).

Was hat geholfen? Nicht die Cranio-Sacral-Behandlung, sondern einfach nur die Therapeutin, die mir mehrere Methoden gezeigt hat, mein Kind zu beruhigen. Sollte euer Baby öfter schreien, hier mein GRATISTIPP:

In die Arme nehmen und tiefe Kniebeugen mit dem Kind gemeinsam machen.

Klingt komisch, aber bei uns hat’s geholfen. Man braucht aber ein wenig Durchhaltevermögen, vor allem in der Nacht. Wir sind nicht selten eine halbe Stunde bis Stunde mit dem nicht schlafen wollenden Baby durch die dunkle Wohnung gegangen. Andere fahren nachts um 2.00 Uhr früh mit dem Auto durch die Gegend oder die ganz Mutigen packen nochmal den Kinderwagen aus, um in finsterster Nacht durch abgesperrte Parks zu spazieren. Hauptsache das Baby schläft.

Um nun wieder zu den Schreibabys zurück zu kommen. Die Gründe, warum ein Baby schreit, sind mannigfaltig. Ich bin kein Fan von Amazon, aber gibt man „Schreibaby“ ins Suchfeld ein, werden gleichmal 78 Ergebnisse ausgeworfen. Und 78 Mal dieselben Methoden lassen sich sicher nicht verkaufen – das heißt, jede/r AutorIn hat vermutlich andere Erfahrungen und andere Tipps. Warum schreit jetzt das Baby? Sind es die 3-Monats-Koliken? Ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus? Unwohlsein aufgrund einer stressigen Geburt? Einfach so? Gegen einen Ratgeber ist nichts einzuwenden, finde ich. Auch der Besuch einer (kostenlosen) Schreiambulanz kann helfen, es gibt auch Notfalltelefonnummern der Spitäler. Wir haben dort auch einmal angerufen und wurden super schnell und kompetent von einer Krankenpflegerin beraten – ganz ohne einen Euro zu zahlen.

Ich frage mich deshalb, wieso ich € 50,00 Euro für diese Tipps (1,5 Stunden) ausgeben muss? Da kann ich mir gleich vier von diesen Ratgeberbüchern kaufen oder besser noch fast zwei Jahre lang die Bibliotheksgebühren bezahlen, mir ALLE vorhandenen Schreibaby-Bücher ausborgen oder mir eine Cranio-Sacral-Behandlung leisten, in der dann nicht nur das Schreien besser wird, sondern vielleicht sogar noch eine Hüftfehlstellung mitbehandelt wird.

Wie überall im Leben gilt aber: Entscheiden müsst ihr selbst! Und wenn ihr Menschen hinter euch habt (Mamas, Papas, Großmütter, Opas, Schwestern, Brüder, Freunde, Tanten, Onkeln,…), die vielleicht ähnliche Erfahrungen haben: Fragt sie! Sie helfen euch sicher gerne weiter, sofern sie noch wissen, wies beim eigenen Kind war 🙂

Nächstes Mal das Thema: Schlafen

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann hinterlasst mir einen Kommentar oder eine E-Mail an kolumne@buchwelt.co.at

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