Rezension | Ferrante, Elena: Frau im Dunkeln

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Auch ich stelle mir öfter mal vor, wie es wäre, einfach eine kleine Auszeit zu nehmen. Meine Kinder sind zwar noch klein und weit entfernt davon, erwachsen zu sein und ich bin selbst auch noch keine 50, doch verlockend ist es schon … Leda traut sich und verbringt ihren Sommer an einem italienischen Strand.

Die erste Szene teilen wir mit Leda in ihrem Auto. Sie hat Schmerzen, doch so genau kommt es noch nicht heraus, ob diese physischer oder psychischer Natur sind. Ledas erwachsene Töchter leben bei ihrem Vater in Toronto und die knapp 50-jährige Frau beschließt, ihren Sommer allein am Strand zu verbringen. Ursprünglich will die Professorin für englische Literatur dort auch arbeiten, doch schnell lenkt sich ihre Aufmerksamkeit auf die neapolitanische Großfamilie, die sich am Strand an der süditalienischen Küste ebenfalls erholen will. Die junge Mutter Nina und ihre Tochter fallen Leda sofort auf und sie kommt dann auch ins Gespräch mit ihnen. Der junge Gino, der am Strand die Sitzgelegenheiten vergibt, redet auch ab und zu mit Leda und abseits des Strandes gibt es noch einen gewissen Giovanni.

Der gesamte Roman ist in der Ich-Perspektive geschrieben und Leda versucht, ihre Abwesenheit als junge Mutter zu erklären, ja sich zu rechtfertigen. In gewisser Weise gelingt ihr das, doch die Schuld ist definitiv bei ihr selbst zu suchen. In ihrer Mutterrolle ist sie – so scheint es über weite Teile – nie wirklich aufgegangen und sie versteht auch die Spiele zwischen Nina und ihrer Tochter nicht. Sie findet es aufgesetzt, und das war sie selbst nie. Eifersucht spielt auch eine nicht so kleine Rolle in Ledas Grübeleien, denn die Töchter sind zu deren Vater nach Toronto gezogen und brauchen sie eigentlich nicht mehr als Mutter.

Ich bin mir nicht sicher, ob Frauen/Männer mit Kindern dieses Werk anders lesen als Frauen/Männer ohne Kinder, ob es Wertungen gibt, die unterschiedlich sind oder ob die Geschichte, die so klar geschrieben wurde, einfach nur genossen wird, da man sie einfach nicht mehr aus der Hand legen will und gespannt die nächsten Seiten aufschlägt. Eine Darstellung einer modernen Frau, die sich nicht an die konventionellen Regeln hält und versucht, sich aus ihrer vermeintlichen Schuld zu befreien.

Buchinfos

Autorin: Elena Ferrante
Titel: Frau im Dunkeln
Originaltitel: La figlia oscura (2006)
Verlag: Suhrkamp
erschienen: 11.02.2019
ISBN: 978-3-518-42870-2
Seitenanzahl: 188 Seiten
Aufmachung: gebunden mit Schutzumschlag
Genre: Roman
Preis: € 22,70 (A)
[werbung, da nennung und rezension | vielen dank an lovelybooks.de und den suhrkamp verlag für diesen buchgewinn] 

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