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Rezension | Crimp, Imogen: Unser wirkliches Leben

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Eine Frau im Vordergrund des Covers, dahinter ein Mann. In Imogen Crimps Roman Unser wirkliches Leben dreht sich alles um die Gesangsstudentin Anna, die sich in London mit der nicht erfolgreichen Autorin Laurie ein Zimmer bei den Ps teilt, ein sehr skurriles Paar. Auf über 460 Seiten teilen wir das Leben oder die Vorstellungen darüber mit Anna.

Im Roman lernt Anna den Geschäftsmann Max in der Bar kennen, in der sie Auftritte als Jazzsängerin hat. Er scheint anders zu sein als andere Männer, die sofort zur Sache kommen. Das macht Max für Anna interessant und nach kurzer Zeit beginnen sie eine Affäre, die von ungleichen Machtverhältnissen und Einflüssen geprägt ist. Diese sind für Annas Karriere als Opernsängerin eher suboptimal. Es geht so weit, dass sie überlegt, die Akademie zu schmeißen.

Geld- und Wohnungsprobleme katapultieren Anna in eine Abhängigkeit, die die Protagonistin nicht so sieht und aus der sie gegen Ende des Romans glücklicherweise wieder entfliehen kann. Die Kindheit von Anna wird ebenso reflektiert und erzählt wie ihre Freundschaft zu Tara und Laurie, zwei Freundinnen, die unterschiedliche Welten bewohnen – die eine auf dem Land, die andere in der Stadt. Ein wenig könnte man an einen Coming-of-Age-Roman denken, wobei Anna schon über 20 Jahre alt ist. Sie entwickelt sich weiter, wobei das Ende offen ist und die Leser:innen nicht genau wissen, wohin diese Reise führt.

Während der Lektüre fühlt man mit Anna mit, das geht besonders gut durch die Vorstellungen, die sie oft hat und die mit der Wirklichkeit verwoben werden. Manchmal greift man sich auf die Stirn, weil sie unverständlich auf Dinge reagiert beziehungsweise auch selbst aktiv handelt. Doch ihre Handlungen sind nachvollziehbar. Das macht es wahrscheinlich auch nochmal schmerzhafter, wenn man der eigentlich romantischen Liebesgeschichte folgt.

Ein wirkliches Fazit habe ich nicht, ich kann nur sagen, dass der Schreibstil ungewöhnlich ist (z.B. werden direkte Reden nicht mit Anführungszeichen abgebildet), Annas Gedanken oft zwischen den tatsächlich passierten Dingen Platz finden und somit einige Passagen doppelt gelesen werden dürfen, um die (fiktionale) Realität von den Gedankengängen unterscheiden zu können.

Eine Empfehlung spreche ich gerne aus!

Buchinfos
Autorin: Imogen Crimp
Titel: Unser wirkliches Leben
OT: A very nice girl
Verlag: Hanserblau
erschienen: 14.2.2022
ISBN: 978-3-446-27285-9
Seitenanzahl: 464 Seiten
Genre: Roman
[vielen dank an lovelybooks.de und den verlag 
für dieses Leserundenexemplar | werbung, da rezension, nennung und
verlinkung]

 

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