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Rezension | Ratig, Tine und Wilhelm, Hannah: Katharina, Marie & ihre vier Männer

katharina_marie_und_ihre_vier_maennerHeute ist dieses locker leichte Buch von Tine Ratig und Hannah Wilhelm erschienen und ich durfte es schon vorab lesen und rezensieren. Das locker-leichte bezieht sich allerdings nur auf den Schreibstil, der, wie es sich für ChickLit oder Frauenliteratur gehört, wirklich einfach zu lesen ist. Der Inhalt ist ein wenig deprimierend, da Katharina als auch Marie mit ihrem Leben beziehungsweise mit ihren Männern unzufrieden sind und beide sich in andere (wohlgemerkt auch vergebene oder gar verheiratete) Männer verlieben. Die ganze Misere behandeln Katharina und Marie im Buch ausschließlich schriftlich – entweder per E-Mail, Brief oder SMS. Alles, was sich drumherum abspielt, wird niedergeschrieben und so an die Leserin gebracht. Wer ‚Gut gegen Nordwind‘ von Daniel Glattauer  (ebenfalls im Goldmann-Verlag erschienen) kennt und mag, wird allerdings bei diesem Briefroman nur wenige Parallelen ziehen können, da das Genre und das Zielpublikum sehr konträr sind.

Die Thematik des Buches war für mich sehr schwer zu ertragen, da ich genau in der Woche, als ich die Druckfahne in Händen hielt, heiratete. Und dann zu lesen, dass Frauen in den anfänglichen Dreißigern mit ihrem Leben und ihren Männern so unzufrieden sind, dass sie sich zumindest einen Liebhaber – Katharina mag Carsten, Marie zieht es zu Tom – zulegen wollen, der die restlichen 15 Prozent kompensiert, die der eigene Mann nicht bieten kann, das war schon hart. Aber es ließ mich nicht zweifeln, sondern war für mich  sogar ein wenig unverständlich. Das Doppelleben der beiden Damen funktioniert aber bis zu einem gewissen Grad ganz gut, was ich mir persönlich gar nicht vorstellen kann. Und außerdem wär’s mir zuviel Stress.

Zu den Charakteren: Marie und Michael sind ein Paar. Schon sehr lange. Michael wäre für mich nichts, denn er weiß immer, wie es in einer Ehe abzulaufen hat und hält keine Abweichungen aus. Dass Marie da langsam verzweifelt, ist irgendwie logisch. Aber ob Tom, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, da der Richtige für einen Ausbruch ist, bleibt dahingestellt.

Und auch Katharina und Simon leben ein ruhiges Leben, welches die Dame mit Carsten aufpeppen will. Simon ist im Alltagstrott angekommen und Katharina fühlt sich unverstanden. Ob das gut geht?

Wie genau das Buch ausgeht, möchte ich euch nicht verraten, aber es war ein gutes Ende. Wenn auch nicht für alle Beteiligten 😉 Eine angenehm leicht lesbare, nicht ganz so heitere Sommerlektüre.

Buchinfos


Autorinnen: Tine Ratig und Hannah Wilhelm
Titel: Katharina, Marie & ihre vier Männer
Verlag: Goldmann
erschienen: 15.8.2016
ISBN: 978-3-442-48414-0
Seitenanzahl: 256 Seiten
Genre: Briefroman | Frauenroman | ChickLit
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Rezension | Kressmann Taylor: Adressat unbekannt

adressat_unbekanntDieses Büchlein erschien bereits 1938 in einer New Yorker Zeitschrift und wurde nun beim Atlantik-Verlag (Hoffmann und Campe) neu aufgelegt. Der Briefroman beinhaltet die Korrespondenz zwischen dem Juden Max Eisenberg und seinem deutschen (Geschäfts)Freund Martin Schulse, der von den USA zurück nach Deutschland geht. Die beiden Herren führten in San Francisco gemeinsam eine Kunstgalerie und bleiben seit Schulses Umzug 1932 in Kontakt. Der geschichtliche Kontext ist klarerweise der beginnende zweite Weltkrieg, doch auch bei der heutigen Lektüre scheint das Werk aktueller denn je zu sein. Selten habe ich ein Buch so schnell verschlungen und war erschüttert, traurig und doch erfüllt von einer Art von Gerechtigkeit, die in kriegsähnlichen Zuständen nie gerecht sein kann.

Ein ausgeklügelter Briefroman mit einer unvorhersehbaren Wendung und einem genialen Schluss. Mehr möchte ich auch gar nicht dazu schreiben, denn man muss ‚Adressat unbekannt‘ selbst gelesen haben.

Buchinfos
Autorin: Kathrine Kressmann Taylor
Titel: Adressat unbekannt
Verlag: Atlantik Verlag (Hoffmann und Campe)
erschienen: 12.10.2015 (abgebildete Version)
ISBN: 978-3-455-65082-2
Seitenanzahl: 96 Seiten
Genre: Briefroman
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Rezension | Lindner, Lilly: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

was fehlt, wenn ich verschwunden binGleich vorweg: Ich fand das Buch stellenweise nicht ganz so grandios, aber im Allgemeinen kann ich es jeder begeisterten jugendlichen Bücherratte wärmstens empfehlen, schon alleine, weil es sich bei diesem Werk um einen Briefroman handelt. Aber dazu gleich mehr.

Die Autorin Lilly Lindner hat sich mit „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ in den Jugendbuchsektor gewagt und stand mit ihrem Erstling ‚Splitterfasernackt‘ in den Bestsellerlisten. Auch dieses bei Fischer Anfang 2015 erschienene Werk kann sich sehen und lesen lassen. Die Protagonistinnen April und Phoebe schreiben sich Briefe, aber sie schreiben sich nicht gegenseitig, sondern füreinander. April ist die ältere der beiden Schwestern und musste sich in Anstaltspflege begeben, da sie unter Magersucht leidet. Phoebe, die jüngere, versteht leider gar nicht, warum sie ihre ältere Schwester nicht sehen darf und beginnt deshalb, ihr all ihre Gefühle und Erlebnisse in Briefform zukommen zu lassen. Doch sie erhält keine Antwort – vorerst. Rezension | Lindner, Lilly: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin weiterlesen

Rezension | Klugkist, Thomas: Hanna und Sebastian

hanna und sebastian
© C.H. Beck | Buchcover

Wer ‚Gut gegen Nordwind‘ oder ‚Alle sieben Wellen‘ von Daniel Glattauer mag, wird bei Hanna und Sebastian nicht diese Leichtigkeit und den überaus schnellen Lesefluss finden. Denn dieser Roman hat es in sich:

Zu Beginn werden ellenlange Briefe gewechselt, die philosophische Themen behandeln. Im zweiten Abschnitt steigen die Protagonisten Hanna und Sebastian dann auf SMS und E-Mail um, was schon um einiges leichter lesbar wird. Dann folgt ein dritter Teil, in dem die E-Mails wieder länger (und mühsamer) werden und das Ende ist dann wiederum versöhnlich.

Die wirklich wichtigen Themen des Romans werden schnell abgehandelt und dafür wird umso mehr über die Gefühlswelt Sebastians und Hannas gemailt. Dabei gibt es aber nicht nur eitle Wonne, sondern viel Lug & Betrug als auch unerwartete Todesfälle. Rezension | Klugkist, Thomas: Hanna und Sebastian weiterlesen